Zum Inhalt
Fakultät Raumplanung
Studentische Projekte

A02 - Klangqualität und grüne Infrastruktur

Kommentar

Das Projekt A02 – „Klangqualität und grüne Infrastruktur“ – untersucht die Klangqualität als eine Dimension der städtischen und stadtnahen grünen und blauen Infrastruktur (Pauleit et al., 2019). Die Untersuchung orientiert sich am konzeptionellen Rahmen der Klanglandschaftsökologie (Pijanowski et al., 2011), die an der Schnittstelle von Psychoakustik (Genuit & Fiebig, 2006), Ökoakustik (Farina & Gage, 2017) und Landschaftsökologie (Godron & Forman, 1983; Turner et al., 2001). Obwohl Schall in der europäischen Raumplanung seit 2002 im Rahmen von Lärmaktionsplänen berücksichtigt wird (EU-Lärmrichtlinie 2002), stand in den ersten Runden der Lärmaktionspläne vor allem die Dimension des Schalldrucks (Lautstärke) im Mittelpunkt. In den aktuellen NAPs wurden die Methoden der Klanglandschaftsbewertung und der Klangspaziergänge gemäß DIN ISO 12913-2 angewendet (Aletta et al. 2023; Lawrence et al. 2025), was darauf hindeutet, dass städtische Grünflächen und Naturräume eine bedeutende Rolle bei der Schaffung einer hochwertigen Klangumgebung spielen. Obwohl diese Methoden sehr nützlich sind, erfordern sie viel Zeit für den Kontakt mit den Bürgern und stützen sich letztendlich im Rahmen eines Mixed-Methods-Ansatzes auf qualitative Wahrnehmungsdaten der Teilnehmer. Ein direkterer, quantitativer Rahmen zur Bewertung der Klangqualität ist nach wie vor nicht in Sicht.

Vor diesem Hintergrund zielt das Projekt A02 darauf ab, einen wissenschaftlich fundierten Rahmen für die Bewertung quantitativer Merkmale der Klangqualität innerhalb eines breiten Spektrums städtischer und stadtnaher blauer und grüner Infrastruktur zu schaffen. Dieser Rahmen wird die messbaren Merkmale der Klangqualität näher ausführen, wie beispielsweise Dezibelwerte, durch die Ökoakustik definierte dominante Frequenzen und die Lautäußerungen von Vogelarten. Die quantitativen Klangeigenschaften konnten im Rahmen des Projekts mithilfe deskriptiver oder inferentieller Statistik ausgewertet werden, beispielsweise anhand von Tagesrhythmen oder mittleren Dezibelwerten für den morgendlichen oder abendlichen Vogelgesang (Lawrence et al., 2020), der Vogelartenvielfalt und der Gesamtdauer der Lautäußerungen (Kahl et al., 2021) oder der Korrelation zwischen akustischen, artbezogenen und räumlichen Faktoren. Als Ergänzung zu akustischen und ökologischen Qualitätsmaßnahmen kann ein strukturierter Ansatz zu einer Grobbeurteilung der akustischen Qualität grüner Infrastruktur mit hilfe der Methode (bzw. der 12 Kriterien) des Cercle Bruit Schweiz in Betracht gezogen werden. Als Nicht-EU-Mitgliedstaat ist die Schweiz nicht an die END gebunden. Parallel zu den formalen Instrumenten der Schweizer Lärmplanung entwickelte des Cercle Bruit Schweiz – als Zusammenschluss kantonaler Fachstellen – einen praxisorientierten Kriterienkatalog zur Bewertung der akustischen Qualität städtischer Freiräume (Hohmann 2025 & 2026, Kanton Basel 2025). Zur Unterstützung der Anwendung dieser Methoden wird A02 von dem externen Berater und Akustikexperten Dr. Beat W. Hohmann begleitet. Somit umfasst A02 den Aspekt der Umweltplanung in internationalen Kontexten, der für das RP-BSc-Modul 17 (UpiIK) relevant ist.

Die zentrale Frage lautet:
„Wie lässt sich die Klangqualität städtischer und stadtnaher grüner und blauer Infrastruktur mit objektiven, quantifizierbaren akustischen und ökologischen Parametern wissenschaftlich beschreiben und bewerten?” 

Implizite Unterfragen sind:
- Welche akustischen Variablen sind relevant?
- Welche Zusammenhänge bestehen zwischen akustischen, ökologischen und räumlichen Merkmalen urbaner und stadtnaher Grün- und Blau-Infrastruktur?
- Wie unterscheiden sich quantitative akustische Bewertungsverfahren von psychoakustischen Bewertungsansätzen (DIN ISO 12913) oder den Kriterien des Cercle Bruit hinsichtlich ihrer Aussagekraft und Anwendbarkeit?
Innerhalb dieses methodischen und beratenden Rahmens formulieren die Studierenden eigene Forschungsfragen und wählen geeignete Methoden aus, um diese zu beantworten.

Zur Operationalisierung der Forschungsfragen stützt sich das Projekt auf eine einzigartige „Schall-Sandbox“, bestehend aus 1,4
Millionen Längsschnitt-Schallaufnahmen, die in 120 Grüninfrastrukturgebieten im Bochum und das zentrale Ruhrgebiet gesammelt
wurden (Lawrence et al., 2025). Dieser Datensatz ermöglicht es Studierenden, die Merkmale der Klangqualität im Zusammenhang
mit räumlichen, zeitlichen und ökologischen Faktoren zu analysieren und dient als Grundlage für die standortspezifische Entwicklung
von Klangqualitätskriterien nach dem aktuellen Stand der Technik in der Schweiz. Da Dr. Lawrence auch als wissenschaftlicher
Berater des Dortmunder Lärmbeirats für den Zeitraum 2026–2031 tätig ist, kann Dortmund zudem als „Living Lab“ für die Methodenentwicklung
oder Feldforschung genutzt werden.

Veranstaltungsnr.0910202
Veranstaltnugs SWS8
Maximale Teilnehmerzahl14
StudiengängeBachelor Raumplanung (2012); 1-2
MontagDonnerstagIntensivwoche
14:00 - 18:00 Uhr14:00 - 18:00 Uhr08:00 - 18:00 Uhr
19.10.2026 - 01.02.202722.102026 - 04.02.202716.11. - 20.11.2026
Ausfalltermine: 16.11.2026Ausfalltermine: 19.11.2026 
Raum 3.306Raum 3.306 
  1. Pauleit, S., Andersson, E., Anton, B., Buijs, A., Haase, D., Hansen, R., ... & Van der Jagt, S. (2019). Urban green infrastructure– connecting people and nature for sustainable cities. Urban Forestry and Urban Greening , 40 , 1-3.
     
  2. Pijanowski, B. C., Villanueva-Rivera, L. J., Dumyahn, S. L., Farina, A., Krause, B. L., Napoletano, B. M., ... & Pieretti, N. (2011). Soundscape ecology: the science of sound in the landscape. BioScience , 61 (3), 203-216.
     
  3. Genuit, K., & Fiebig, A. (2006). Psychoacoustics and its benefit for the soundscape approach. Acta acustica united with acustica , 92 (6), 952-958.
     
  4. Farina, A., & Gage, S. H. (Eds.). (2017). Ecoacoustics: The ecological role of sounds . John Wiley & Sons.
     
  5. Godron, M., & Forman, R. T. T. (1983). Landscape modification and changing ecological characteristics. In Disturbance and ecosystems: components of response (pp. 12-28). Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg.
     
  6. Turner, M. G., Gardner, R. H., & O’Neill, R. V. (2001). Landscape ecology. Theory and practice. New York: Springer-Verlag .
     
  7. Aletta, F., & Torresin, S. (2023). Adoption of ISO/TS 12913-2: 2018 protocols for data collection from individuals in soundscape studies: An overview of the literature. Current Pollution Reports , 9 (4), 710-723.
     
  8. Lawrence, B.T.; Frücht, A. Anhang 3 zum Lärmaktionsplan der Stadt Dortmund: Bericht über die Hörspaziergänge 2023 ; Stadt Dortmund: Dortmund, Germany, 2024; Available online: www.dortmund.de/themen/umwelt-nachhaltigkeit-und-klimaschutz/laerm-und-laermminderung/umgebungslaerm/laermaktionsplanung/ (accessed on 2 February 2025).
     
  9. Lawrence, B. T., Heying, D., & Gruehn, D. (2025). The influence of green infrastructure on the acoustic environment: A conceptual and methodological basis for quiet area assessment in urban regions. Conservation , 5 (2), 22.
     
  10. Kahl, S., Wood, C. M., Eibl, M., & Klinck, H. (2021). BirdNET: A deep learning solution for avian diversity monitoring. Ecological Informatics, 61 , 101236.
     
  11. Lawrence, B. T., Hornberg, J., Haselhoff, T., Sutcliffe, R., Ahmed, S., Moebus, S., & Gruehn, D. (2022). A widened array of metrics (WAM) approach to characterize the urban acoustic environment; a case comparison of urban mixed-use and forest. Applied Acoustics, 185 , 108387.
     
  12. Hohmann, B. W. (2025). A simple structured approach to urban greenspace acoustic design. Conference preceedings from Euronoise Forum Acusticum, june 23-26, Málaga, Spain, 2025.
     
  13. Hohmann, B. W. (2026). Schwammstadt und Stadtklang – Synergien, Zielkonflikte, Umsetzung. Conference Preceedings from DAGA, March 23-27, Dresden, Germany, 2026
     
  14. Kanton Basel-Stadt / Kanton Basel-Landschaft (2025). Beurteilung der akustischen Qualität von Freiräumen Basel-Stadt und Basel-Landschaft (Internet). Accessed on 26.6.2026 from: www.bs.ch/publikationen/beurteilung-der-erholungsqualitaet-undakustik-von-freiraeumen-basel-stadt-und-basel-landschaft

Studienleistung A (unbenotet): Exposé

Studienleistung B (unbenotet): Zwischenbericht

Studienleistung C (unbenotet): Zwischenpräsentation, Plakat und Abstract im Rahmen des Projektmarkts

Modulprüfung (unbenotet): Abschlussbericht inkl. Disputation

Die Anmeldung zu Studienleistungen und Modulprüfung erfolgt über das Campusportal.

Bei erfolgreichem Abschluss des Projektes werden insgesamt 24 CP für Modul 2 verbucht.